Die Instagram Unsitten – Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint

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Jeder, der Instagram nutzt, kennt es: man will sehen und gesehen werden, vielleicht letzteres sogar noch mehr. Dass das nicht von alleine klappt und durchaus einiges an Arbeit bedeutet, sollte klar sein, allerdings scheint sich gerade in den „kleineren“ Bereichen, in denen ich mich auch noch bewege, der Gedanke an eine 100%-Beteiligung der Follower und noch weitere Merkwürdigkeiten hartnäckig in den Köpfen festgesetzt zu haben. Ist es Unerfahrenheit, Blauäugigkeit oder einfach pure Realitätsverleugnung? Ich meine, wann hat Follow4Follow jemals Erfolg gebracht? Es gibt so einige Dinge, die sich mir rein logisch nicht erschließen und am Ende auch Nerven kosten.

1. Die Follow / Unfollow Experten

Ok, das ist eine Sache, die sich mir überhaupt nicht erschließt. Vielleicht besitze ich zuviel gesunden Menschenverstand oder liege einfach mit meinem IQ über dem einer smarten Mikrowelle mit Alexa, aber ich erkenne einfach nicht den Sinn und Nutzen eines solchen Verhaltens. Da folgt jemand Deinem Account und kurze Zeit später, diese Zeitspanne kann zwischen Sekunden und Tagen liegen, entfolgt er wieder. Häufig sind das Leute, die exakt gar nichts mit der eigenen Thematik zu tun haben. Häufig Fitness Accounts (ja nu, ich bin halt etwas moppelig), „Entrepreneurs“ und selbsternannte Businesspäpste, die man leicht entlarven kann. Manchmal sind es auch Unternehmen, die keinen oder einen miesen Social Media Manager haben. Und ganz manchmal sind es Leute, die schon ein paar mehr Follower haben, nahe an der eigenen Contentthematik liegen, aber eigentlich selbst kaum Leuten folgen. Bei letzteren folgt man vielleicht sogar zurück, weil sie doch recht interessante Profile haben, aber bei näherer Betrachtung haben sie miese Interaktionsraten und einfach einen Haufen Karteileichen. Alle haben eines gemeinsam, sie sind schnell wieder weg und werfen nur ein großes „WTF?“ auf. Und noch eines: Ich blockiere sie schneller, als sie gucken können. Meistens sogar schon, bevor sie entfolgen können. Zumindest bei den offensichtlichen Varianten.
Aber vielleicht kann mich ja mal jemand aufklären, was das große Marketingkonzept hinter dieser Strategie ist. Ziel ist es in erster Linie wohl, dass Leute ebenfalls folgen und anscheinend kann man damit sogar größere Zahlen anhäufen. Es scheint also genügend Menschen dort auf Instagram zu geben, die auf diese Masche einsteigen. Reinfallen möchte ich nicht sagen, denn die meisten davon entfolgen vermutlich nur nicht aus Trägheit, denn sie interagieren mit den jeweiligen Accounts so gut wie gar nicht. Und das, meine lieben Faker, ist auch meine Hiobsbotschaft an euch. Wenn ihr meint, durch große Followerzahlen Firmen beeindrucken zu können, euch kostenlosen Stuff zur Verfügung zu stellen, dann habt Ihr Euch geschnitten, denn es gibt mittlerweile reichlich Tools im Internet (meist kostenpflichtig, aber man will ja gucken, ob man sein Geld ordentlich investiert) und Bewertungsagenturen, die sagen können, ob man als Influencer was taugt oder nicht. Denn was nutzen euch 10.000 Abonnenten, wenn nur eure 3 engsten Freunde eure Beiträge liken? Das kann man sehen, dazu gibt es Statistiken und Auswertungsmöglichkeiten und man sieht auch, ob 90% Eurer gekauften Follower aus Brasilien kommen. Ätschbätsch.
Also sagt mir doch einfach mal, was Ihr Euch davon versprecht? Immerhin kann ich so meine Follower immer ordentlich aufräumen und meine Interaktionsraten hoch halten. Allerdings ist das auch so der nervigste Part am ganzen Social Media Leben.

2. Die Markierer

Kennt Ihr das? Es gibt Leute, die wollen unbedingt Eure Aufmerksamkeit. Sieh Dir meinen Beitrag an! Los! Sofort! Das teilen sie dir mit, indem sie dich auf jedem Post den sie machen, markieren. BAM! XY hat Dich markiert! Leute zu markieren ist grundsätzlich völlig ok und legitim. Ich mache das auch gerne und finde es meist auch nicht schlimm, wenn ich markiert werde, denn meist steckt dahinter eine Aufforderung zu irgendetwas, wie #showyourshirt oder ähnlichem. Da ist dann Meinung oder eine Handlung gefragt. Voll gut, denn das ist das, was die Medien sozial macht. Das gemeinsame Miteinander und die Interaktion. Manch einer markiert dich aber auf wirklich jedem Post, den er macht. Jedem! Sorry, aber ich sehe Eure Posts sowieso und wenn es nicht gerade ein reines Tierfoto, Kinder oder ein Schnappschuss von Eurem Abendbierchen ist, dann werde ich Euch vermutlich sogar ein Like verpassen, denn ich folge ja Leuten, deren Themen mich interessieren. Und Nerdbilder gehen halt immer. Es besteht also gar keine Notwendigkeit, mich auch nochmal extra drauf aufmerksam zu machen, dass ihr gerade mal wieder ein Bild rausgehauen habt. Markiert mich dann, wenn ich etwas tun soll, was über die technischen Möglichkeiten der Instagram App hinausgeht oder wenn ihr mich mal erwähnen wollt. Danke. Ich mache das auch, damit IHR was davon habt und nicht nur ich.

3. Die Jammerlappen

Wenn man durch Instagram Stories schaut, tauchen mit der Zeit immer wieder Beiträge von Leuten auf, die schon eine Menge mehr Follower haben als ich, die sich darüber beschweren, wie inaktiv ihre Abonnenten doch sind. Buh, ich hab 10.000 Follower, aber kriege pro Beitrag nur 5.000 Likes und bei meinen Storyumfragen machen auch nur wenige tausend mit. Waruuuum?
Da denke ich immer nur: Alte(r), komm mal klar. Lies mal ein Buch über menschliche Interaktion, sei es bei Werbung, in den sozialen Medien oder sonst wo. Oder denk einfach mal nach. Das sind meist Leute mit tollen Interaktionsraten und einem Zuwachs an Abonnenten, von denen man als „Kleiner“ nur träumen kann. Klar, die oberen Zehntausend sehen da nochmal anders aus, aber da kommen die vielleicht auch mal hin. Aber das ist alles nicht genug und wenn nicht 100% der User auch aktiv sind, dann wird geheult und gejammert und alles in Frage gestellt. Ich habe sogar schon die ein oder andere „Drohung“ vernommen, Instagram doch ganz aufzugeben. Die Fragefunktion für Stories wird auch gerne genutzt, um die Inaktiven zu fragen, warum sie inaktiv sind… jap, sehr zielführend und erfolgversprechend.
Also lasst mich euch sagen: 100% gibt es nicht und ihr habt tolle Werte, weil ihr tolle Accounts habt, also hört auf zu heulen, das ist unrealistisch.

4. Nice pic *thumbsup* – Die Smilieposter

Sie sind fast so schlimm wie die, die Folgen und Entfolgen Kasperköppe. Sinnbefreite, knappe Kommentare, die mit Smilies befüllt nur knapp daran vorbeischrammen, von Instagram automatisch als SPAM erkannt zu werden. Meist völlig am Thema vorbei. Die mal eben schnell geknipsten Blu-rays, die man gerade eingekauft hat, standardmäßig auf den üblichen Hintergrund gelegt und abgelichtet, werden mit einem „awesome pic!“ und ein paar Daumen nach oben bedacht und man fragt sich: „Ach, echt?“ Manchmal sind es auch einfach nur Smilies. Wieder stellt sich dem geneigten Nutzer die Frage nach dem Warum. Was bringt das? Was soll damit erreicht werden? Nehme ich dann nicht lieber ein Bild, in das etwas mehr Arbeit gesteckt wurde? Das würde es glaubwürdiger machen. Irgendwie. Nunja…
Ich lösche solche Kommentare häufig, weil sie für mich einfach keinen Wert haben, auch wenn ich damit natürlich etwas Interaktion und Aktivität in meinem Kanal verschenke. Und vom Prinzip her tun sie ja auch niemandem weh, aber es ist einfach nicht richtig.

5. Die erzwungene Interaktion

Man sieht es in den Stories gerne: „Schickt mir ein BLA und ich poste mein Lieblingsbild aus Eurem Profil“. Und wenn man dann per Nachricht das geforderte Emoji schickt, weil man doch wissen möchte, was derjenige vom eigenen Account so hält und welche Art von Bildern er toll findet, dann kommt das böse erwachen. Denn als Antwort erhält man erst mal die Aufforderung, dass man doch zuerst was posten soll, bevor das Angebot umgesetzt wird. Inzwischen weiß man das, aber am Anfang war das erst mal eine Überraschung, dass das nett gemeinte Angebot, doch noch an Bedingungen geknüpft ist. Klar kann man sagen, dass man doch erwarten kann, dass man auch was zurückbekommt, aber man muss ja dann sogar in Vorleistung gehen und das war bei der Aufforderung zur Sendung des Emojis erst mal nicht klar. Stellt Euch also vor, ihr geht zu einem der großen Elektronikfachmärkte, weil im Prospekt wieder ein schönes Angebot zu sehen war und die sagen euch: „Jo, bevor du das hier zu dem geilen Preis kaufen kannst, musst Du vor dem Eingang erst mal jedem erzählen, wie geil du uns findest.“ Würdet Ihr nicht machen, oder? Wäre auch unlauterer Wettbewerb und abmahnfähig. Die Bedingungen für den „Handel“ müssen nämlich direkt klar sein und dürfen nicht erst hinterher im Geheimen kommuniziert werden.
Man wird also unter Druck gesetzt, wenn man der Aufforderung nicht nachkommt, dann gilt auch das öffentliche Angebot nicht mehr. Das hat für mich dann nichts mehr mit Interaktion und Kooperation zu tun, sondern ist schlicht Erpressung. Und darauf verzichte ich dann lieber. Ich möchte ehrliche Meinungen von den Leuten und kein trojanisches Pferd aufgeschwatzt bekommen. Und wenn ich auf so ein Angebot eingehe, dann interessiert mich die Meinung dieser Person und ich möchte mir doch die Möglichkeit zur Entscheidung vorbehalten, ob ich ebenfalls ein Bild poste, das ich mag. Der Respekt und Anstand verlangen ein Geben und Nehmen, aber nicht unter Zwang. Featurest du mich, feature ich dich, aber nicht vorher und vielleicht auch nicht sofort, aber wir beide haben davon etwas. Aber nicht per Vorkasse und nicht mit vorgehaltener Pistole. Außerdem schaut sich diese 50-Shoutout-Tiraden in den Stories doch sowieso niemanden an. Da hat dann meist derjenige, der das Angebot macht, mehr davon, als diejenigen die sich darauf melden. Hat jemand darüber schon mal ernsthaft Follower generiert?

So, genug der negativen Dinge auf Instagram. Es ist trotzdem immer noch eine tolle Plattform für Interaktionen mit anderen und es gibt reichlich tolle Bilder zu sehen. Und auch mit diesen paar unangenehmen und nervigen Eigenheiten, macht es immer noch viel Spaß dafür Content zu erstellen und mit anderen zu teilen und Feedback zu bekommen. Es ist also nicht alles schlimm. Ganz im Gegenteil.

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