Gehen Film- und Spieleindustrie die Ideen aus?

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Oder ist man einfach nur bequem geworden und hat festgestellt, dass sich mit Recycling auch noch genug Geld verdienen lässt? Diese Frage stelle ich mir inzwischen häufiger, denn in den letzten Jahren ist es schick geworden, Filme zu rebooten und Spiele mit neuer Grafik versehen für aktuelle Konsolen zu veröffentlichen. Noch neuer scheint mir wiederum der Trend zu sein, alte, erfolgreiche Serien und Filme mit Fortsetzungen und neuen Staffeln zu versehen.

Neuauflagen von Spielen

Wenn ich mich nicht ganz täusche, hatte es damit mehr oder weniger angefangen, dass zum Erscheinen der Playstation 4 einige Titel der PS3 Generation mit überarbeiteter Grafik für die neue Konsolengeneration veröffentlicht wurden. Da wurde dann ein wenig am Licht gearbeitet, die Texturen höher aufgelöst und ein „Remastered“ an den Titel gehängt und schon hatte man einige Spiele für die neue Konsole ohne den großen Entwicklungsaufwand. Zu dieser Zeit hat Playstation Chef Jim Ryan noch gepoltert, dass eine Abwärtskompatibiliät keinen Sinn macht, weil ja niemand alte Spiele spielen will.

„Wir haben uns in Abwärtskompatibilität versucht, und ich kann sagen, dass das eines dieser viel geforderten, aber wenig genutzten Features ist. Zudem war ich kürzlich auf einem ‘Gran Turismo’-Event, bei dem Spiele auf PS1, PS2, PS3 und PS4 zu sehen waren. Die PS1- und PS2-Spiele sahen uralt aus, warum würde das jemand spielen?“

Dennoch wurden immer weitere Spiele remastered und neu aufgelegt. Das ging von aufhübschen, wie „The Last of Us“ bis hin zur aktuell erschienenen Version von „Assassins Creed III“, bis zu aufwändigen Neubearbeitungen. Letztere begrüße ich teilweise sogar, da z.B. die von ehemaligen Lucas Arts Mitarbeitern gegründete Softwareschmiede Doublefine alte Lucas Adventures komplett neu aufgelegt hat. „Day of the Tentacle“ und „Full Throttle“ fand ich absolut gelungen. Schöne neue Grafik, verbesserter Sound, aber der Charme von damals. Hier würde ich absolut gerne auch noch „Zak McKracken“ sehen.

Ebenfalls charmant sind die im letzten Jahr erschienenen Neuauflagen von „Crash Bandicoot“ und „Spyro the Dragon“, wobei Letzteres auf Grund verloren gegangener Entwicklungsdaten komplett neu gebaut werden musste. Dennoch bekommt man wieder das alte Feeling der Spiele im frischen Look.

Mir ist durchaus klar, dass nicht jeder alte Konsolen sammelt und dementsprechend die alten Titel nicht mehr im Original spielen kann, aber wenn man doch wie Jim Ryan sagt, eh keine alten Spiele spielen will, wieso werden dann so viele neu aufgelegt? Viel Geld für wenig Aufwand? Oder doch keine Ideen? Hinzu kommen ja ewig gleiche Spielereihen, die jedes Jahr mit leicht verändertem Setting veröffentlicht werden, wie Call of Duty, Battlefield oder Assassins Creed. Gleiches Spielprinzip im aufgewerteten Look. Sowas nannte man früher Zusatzlevel. Wirklich neue Geschichten werden aber immer seltener erzählt.

Filmreboots

Neuverfilmungen gab es früher schon. Da wurden entweder alte Klassiker mal neu aufgelegt oder erfolgreiche europäische Filme für Amerika 1zu1 neu gedreht. Aktuellstes Beispiel dürfte wohl der deutsche Film „Honig im Kopf“ sein, der nun mit Nick Nolte statt Dieter Hallervorden in die Kinos kommt. „Ziemlich beste Freunde“ traf dieses Schicksal auch schon und unzählige Filme davor. Manche neue Versionen sind sogar ganz brauchbar, bei anderen fragt man sich wiederum „Warum?“. Da werden tolle alte Filme modernisiert und für das nur zu kurzer Aufmerksamkeit fähiger junge Publikum als seichtes Popcornkino lieblos hingerotzt. Alte, brutale Actionkracher werden als Jugendkino aufbereitet. Ich denke da nur an „Total Recall“, dem alten Arnie Streifen, den ich damals sogar im Kino gesehen hatte, der in der neuen Version mit Collin Farell einfach nur an mir vorbeigelaufen ist.

Aber als Fan von Superhelden oder Science Fiction Filmen muss man ganz besonders stark sein. Ich denke da nur an die neuen Star Trek Filme von J.J. Abrams, die einfach mal das bekannte Universum völlig zerlegt haben und bei denen sich J.J. gedacht hat: „Ich mach jetzt einfach mal was ich will…“ Anfänglich für mich als Trekkie eine Vollkatastrophe, aber inzwischen kann ich sie mit Abstand betrachten und zähle sie einfach nicht als Star Trek Filme und dann sind sie eigentlich gar nicht so schlecht. Aber wenn man sich mal Superman, Hulk und Spider-Man anschaut, dann hat man als Fan so einige Reboots erfahren. Der Sprung von den 70ern und 80ern in die Neuzeit war sicher nicht schlecht, da die Technik heutzutage sicher wesentlich besser in der Lage ist, eine vernünftige visuelle Umsetzung zu gewährleisten. Auch lizenztechnisch hat sich einiges getan, da früher Produktionsfirmen häufig nur die Lizenzen für die Hauptfigur hatten und dann Schurken dazuerfinden mussten, die man überhaupt nicht kannte. Da ist man heute wesentlich besser aufgestellt. Dann aber ging es los und gerade bei Marvel wurde der Begriff Reboot groß geschrieben. Spider-Man bekam drei Teile mit Tobey Maguire, zwei mit Andrew Garfield und wird nun im MCU von Tom Holland gespielt. Jedesmal völlig unabhängig voneinander und getrennt mit eigener Originstory. Genauso viele Darsteller hat der Hulk verbraucht, seitdem Ang Lee die erste moderne Version mit Eric Bana vorgelegt hat, die aber noch unabhängig vom MCU war und deshalb nur wenig später mit Edward Norton neu aufgelegt wurde. Immerhin wurde anschliessend nur der Schauspieler ersetzt, aber man blieb noch im gleichen Universum. Wobei Mark Ruffalo bisher keinen eigenen Film bekommen hat, sondern immer nur mit den anderen Avengers aufgetreten ist. Immerhin hat Thor Ragnarök die „Planet Hulk“ Thematik aufgenommen. Der Hulk Reboot ist für mich auch noch am verzeihlichsten.

Superman war wiederum dramatischer, da nach dem völlig misslungenen „Superman Returns“ und dem unter dem Druck des erfolgreichen MCUs entstandenen DCEU mit einem durchaus guten „Man of Steel“ nun wieder völlig offen läßt, was mit Superman passiert und ein Reboot des ganzen Universums nicht völlig abwegig ist. Mich gruselt es etwas und das geht mir alles zu schnell. Besser macht das die Filme am Ende nicht. Für Batman gilt das gleiche. Alles viel zu viel Trubel und Verzweiflung, die von Misserfolg zu Misserfolg führen. Dabei war Christopher Nolans Batman Trilogie wirklich spitze.

Was am meisten stört, ist einfach, dass diese Reboots immer wieder die gleiche, leicht veränderte Originstory mit sich bringen, anstatt mal was neues zu erzählen. Dabei bietet die lange Comichistorie aller genannten Figuren doch mehr als genügen Stoff und Figuren, um immer wieder neu zu unterhalten. Klassiker gibt es reichlich.

Die Fortsetzungsmisere

Nun hat man auch noch die Idee gehabt, dass man alte Serien und Filme ja mit einer weiteren Fortsetzung beglücken könnte. Der erste mir bekannte Versuch in diese Richtung war wohl der zweite Teil von Tron. Ein für mich absolut in die Hose gegangenes Experiment. Der erste Tron hat damals durch seine Aktualität bestochen, durch die rudimentäre Computergrafik, in die die Hauptakteure hineintransportiert wurden. Das hatte Charme und man spürte die enge Verbindung mit den Spielhallenautomaten, vor denen man selbst schon gestanden hat. Einfachste 3D Grafik, Technik, die noch ganz am Anfang stand. Spiele sahen damals einfach so aus. Und das ist auch der Grund, warum der zweite Teil nach 30 Jahren einfach nicht funktioniert hat. Die Computergrafik ist heutzutage viel weiter als damals, realistischer, aber noch nicht ganz perfekt. Die Verbindung vom Geschehen zum Spiel, dem Inneren des Computers, wirkte völlig deplaziert und falsch. Alles in allem konnte die Stimmung des Erstlings nicht wieder aufgegriffen und fortgesetzt werden.

Andere Versuche waren etwas erfolgreicher, wie die neuen Staffeln zu Gilmore Girls oder Akte X. Insgesamt ist es aber jeweils fraglich, ob ein Film oder eine Serie, die früher den Nerv der Zeit getroffen hat, noch erfolgreich in die Gegenwart transportiert werden kann. Schließlich passiert es oft genug, dass Dinge, die man früher gefeiert hat, heute nicht mehr schauen mag oder gar nicht mehr weiß, warum man sie damals so toll fand.

Heutzutage wird also viel recycelt oder wieder aus der Schublade gekramt. Es wirkt immer mehr so, als würde den Produzenten einfach nichts mehr einfallen oder als würden sie nur noch die schnelle Mark mit aufgewärmten Essen machen wollen. Dabei wissen wir doch alle, dass Stillstand den Tod bedeutet und ich hoffe, dass das schnell bemerkt wird und sich diese Trends nicht mehr ewig fortsetzen. Auch wenn manche nett und nice to have ist, sehe ich doch lieber etwas neues, anstatt irgendetwas, was in der Vergangenheit ruhen sollte.

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