Hellboy – Call of Darkness, ein Kurzreview

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Gerade noch über Reboots gesprochen, da kommt auch schon das nächste in die Kinos. Hellboy – Call of Darkness ist am letzten Donnerstag angelaufen und wurde von mir mit Spannung erwartet. Mehr oder weniger, da die bisherigen Meinungen dazu doch eher lau waren. Da ich mir aber natürlich immer mein eigenes Bild mache, war ich gestern im Kino und habe mir den Film angeschaut.

Nachdem Guillermo del Toro 2004 und 2008 mit Ron Perlman in der Hauptrolle schon zwei tolle Hellboy Filme vorgelegt hat, wurde es natürlich Zeit für ein Reboot. Die beiden Filme sind schließlich schon sehr alt und bevor das gute alte Team noch einen dritten Teil machen konnte, kann man doch lieber nochmal von vorne starten. Ok, ich versuche es mal ohne Sarkasmus, aber vielleicht merkt der geneigte Leser schon, wohin die Reise geht.

Jedenfalls schickte sich Regisseur Neil Marshall an, einen neuen Hellboy Film zu drehen und setzte dabei auf ein Drehbuch von Andrew Cosby. Marshall hat Erfahrung im düsteren Genre mit Filmen wie Dog Soldiers, The Descent – Abgrund des Grauens oder Doomsday – Tag der Rache. Keine Blockbuster, aber auch keine schwere Kost. Dennoch ganz ok und die Machart ist auch ein wenig in Hellboy zu spüren. Andrew Cosby hingegen hat eher Fernseherfahrung mit Eureka und Haunted. Hellboy wird dieses Mal von David Harbour gespielt, den man in erster Linie als Hopper aus Stranger Things auf Netflix kennen dürfte. Die einzige weitere aus den „alten“ Hellboy Filmen übernommene Figur ist Hellboys menschlicher Ziehvater Professor Trevor „Broom“ Bruttenholm, der dieses Mal von Ian McShane dargestellt wird. Also durchaus keine schlechte Besetzung. Und auch Hellboys MakeUp sieht nicht schlecht aus. Er erinnert durchaus an Ron Perlman, wirkt nur ein wenig kantiger, was nicht zwangsläufig schlecht ist.

Weitere Hauptfiguren sind Milla Jovovich als große Gegnerin, die Blutgöttin Nimue, eine mächtige Hexe, die wie üblich die Welt beherrschen (sprich: zerstören) will, sowie Hellboys Gefolge, dem Medium Alice Monaghan (Sasha Lane) und dem M-11 Agenten Major Ben Daimio, gespielt von Daniel Dae Kim, den man aus Lost oder Hawaii Five-0 kennen dürfte. Weitere Figuren aus dem ersten Guillermo del Toro Film tauchen kurz am Rande in einer Originsequenz auf, in der gezeigt wird, wie Hellboy von den Nazis beschworen wird.

Natürlich soll der große Rote Dämon wieder der Schlüssel zur Reinigung der Erde sein, doch viel mehr möchte ich zur Story gar nicht sagen. Hingegen möchte ich doch etwas zu anderen Aspekten des Filmes sagen. Zum Beispiel zu den Dialogen. Die waren nämlich größtenteils sehr albern und flach. Das fing eigentlich schon beim allerersten Satz im Film an, als vom „verdammt dunklen Mittelalter“ gesprochen wurde. Bitte nicht auf den Satz festnageln, ich habe den genauen Wortlaut nicht mehr im Kopf, aber es gab ein verdammt. Ein an der Stelle einfach unpassendes. Und das setzte sich so fort. Die lustigsten Sprüche gab es im Trailer, der Rest klang sehr nach vorpubertärem Gesabbel aus Hellboys Mund. Während Ron Perlman einen trotzigen, aber auf den Punkt lustigen Hellboy mit kleinen Spitzen gegen seine Vorgesetzten spielen durfte, wirkte David Harbour in erster Linie unreif und albern. Das war teilweise wirklich 70er Jahre Bud Spencer Niveau. Eigentlich fing das sogar mit dem „deutschen“ Titel an, bei dem man einer langen Tradition folgend den originalen englischen Titel (Simpel Hellboy) mit der englischen Subheadline „Call of Darkness“ erweitert hat. Warum auch immer.

Die Effekte im Film hingegen waren weitestgehend gut, mit wenigen Ausreißern. Der Look des 3D Anteils und auch das MakeUp hat mir also grundsätzlich erst mal gefallen und auch das Monsterdesign war durchaus auf dem Niveau eines del Toros, wenn auch vielleicht sogar etwas düsterer. Vor allem wurde es aber wesentlich brutaler. Zwar an wenigen Stellen, aber dafür um so intensiver, wurde recht ordentlich gesplattert. Da würden Menschen und andere Wesen verstümmelt, gepfählt und im vorbeigehen gehäutet. Ob das der Story nun zuträglich war, sei dahingestellt, aber ich mag es ja durchaus brutal. Allerdings machten diese Szenen und wenige kurze Momente im Film aus und waren teils in so kurze Sequenzen gequetscht, als hätte es im Effektteam den Film über gebrodelt und dann explodierte man und ließ alles auf einmal raus, was man vielleicht hätte besser verteilen können.

Was mich jedoch immens gestört hat, war die musikalische Untermalung. Meist wurden alte, bekannte Rocksongs viel zu laut über wichtige Szenen drübergedängelt, wesentlich lauter als der Rest des Films, was dazu führte, das jeglicher anderer Sound dahinter unterging und man plötzlich senkrecht im Kino stand. Teilweise aber auch völlig deplaziert. Die eigentliche Filmmusik wirkte da stimmiger und von der Lautstärke her passender, wurde aber gegenüber den bekannteren Titeln meiner Meinung nach zu spärlich eingesetzt. An einigen Stellen hätte der epische Orchestersound, den es teilweise zu hören gab, durchaus besser gepaßt als die Gitarrenmusik aus den 70ern und 80ern.

Insgesamt fehlte mir auch ein roter Faden in der Geschichte. Nimue war eher blass und konnte sich nicht wirklich als Bösewicht entfalten. Irgendwie hüpfte der Held nur von Schauplatz zu Schauplatz, aber es wirkte teilweise sehr zusammenhanglos und aneinandergeklatscht. Es hat sich kaum Spannung aufgebaut und auch der Showdown war schnell abgehandelt. Da hätte man mehr draus machen können.

Fazit

Ich habe echt keine Ahnung, warum man unbedingt ein Reboot machen musste, obwohl Guillermo del Toro und Ron Perlman Lust auf einen dritten Teil hatten und dieser eigentlich auch schon geplant hatten. Stattdessen schickt man ein Team aus eher Serienerfahrenen Leuten aus der 2. Liga ins Rennen, was zwar nicht unbedingt immer schlecht sein muss, und läßt sie knallend scheitern. Descent und Doomsday hatten ja durchaus so ihre Momente und hatten vor allem Härte, aber del Toro ist nun mal ein echter Künstler und spielt in einer ganz anderen Liga. Vermutlich betreibt er im direkten Vergleich sogar einen komplett anderen Sport. Der Film war nichts Halbes und nichts Ganzes und hat vor allem bei den Dialogen, der Musik und der Charaktertiefe eine Menge falsch gemacht. Ich bin schon mit sehr wenigen Erwartungen ins Kino gegangen, aber der Film hat mir nicht mal einen Lacher abringen können. Damit hat man Meister ihres Faches um einen würdigen Abschluß einer Trilogie gebracht und nur einen weiteren unnötigen Reboot veranstaltet. Schade.

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