Comicvorstellung: The Boys von Panini Comics

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Nach der Ankündigung der Serie zu „The Boys“ für Amazon und dem ersten Trailer war ich neugierig und habe mir den ersten Comicband der „Gnadenlos Edition“ von Panini Comics direkt mal zur Einstimmung gegönnt und um mich etwas auf das interessante Thema vorzubereiten.

Klar, 30 Euro sind ein stolzer Preis für einen Comic, aber dafür gibt es auch 340 Seiten Inhalt und ein Hardcover. Es ist also schon ein ordentlicher Wälzer, den man da in der Hand hat, mit einer Menge Story. Und die hat es in sich. Anders als in den üblichen Superhelden Comics geht es hier nicht um Helden und Schurken, da sich quasi alle Menschen mit Superkräften ihrer Überlegenheit auch sehr bewußt sind und dementsprechend handeln. Macht korrumpiert und das merkt man bei den von der Öffentlichkeit gefeierten Superhelden ziemlich deutlich. Opfer bei deren Schlachten sind annehmbare Kollateralschäden, die niemanden kümmern und wer zu den Besten gehören will, muss einiges von der sogenannten Elite über sich ergehen lassen. Und natürlich wird ohne Rücksicht auf Verluste Party gemacht. Ganz vorne mit dabei sind die Sieben, der absolute Elitetrupp, vergleichbar mit der Justice League aus dem DC Universum. Man wird insgesamt die ein oder andere Anleihe bei den anderen großen Verlagen feststellen.

Die Hauptfiguren der Comicreihe sind jedoch Billy Butcher und seine Boys, unter denen sich aber auch eine Dame befindet, die schlichtweg nur das Weibchen genannt wird. Butcher arbeitet für die CIA und kommt dann ins Spiel, wenn wieder mal jemand mit Superkräften über die Stränge schlägt. Er und seine Leute sind ein in schwarze Trenchcoats gekleideter Schlägertrupp, der die Supies in ihre Schranken verweist. Damit das auch klappt, schließlich haben ihre Ziele auch besondere Kräfte, wurden sie ebenfalls mit dem Wirkstoff V behandelt, der für die Kräfte verantwortlich ist.

Zu Beginn der Reihe wird Butcher von der CIA-Chefin, mit der er ein ausgiebiges und auch sexuelles Hass-Verhältnis hat, reaktiviert und holt sein Team wieder zusammen. Die beiden Irren Frenchman und das Weibchen sind schnell überzeugt, für seine rechte Hand, Mother’s Milk braucht es etwas mehr Überzeugung, denn er will weder wieder einsteigen, noch will ihn Butcher eigentlich dabeihaben, doch es geht nicht ohne ihn. Das ehemalige fünfte Mitglied der Gruppe steht nicht mehr zur Verrüfung, so dass jemand neues rekrutiert werden muss. Hier kommt der „kleine“ Hughie ins Spiel, dessen Freundin am Anfang der Geschichte zu einem der beschriebenen Kollateralschäden wurde und vor seinen Augen äußerst unschön verstarb. Nach etwas Eingewöhnungszeit ist das Team komplett und beginnt Aufträge auszuführen.

Garth Ennis und sein Hauptzeichner Darick Robertson zeigen mit The Boys eine ganz andere Seite der Superheldencomics. Die Helden sind alle im Grunde genommen Arschlöcher, die ihre Macht gnadenlos ausnutzen und sich nicht wirklich für andere interessieren. Klar, sie beschützen die Welt, aber wie ist ihnen dabei ziemlich egal. Trotzdem werden sie bewundert und die Opfer stehen alleine da. Der Leser erlebt sie allerdings durch die Bank als komplette Unsympathen, während die Boys die großen Antihelden sind und auf ihre eigene Art für Ordnung sorgen. Mehr oder weniger zumindest, denn auch hier werden ungewollte Opfer billigend in Kauf genommen, auch wenn es mehr oder weniger eine nicht-töten-Politik gibt. Dennoch trauert man Verlusten auf der Superheldenseite nicht unbedingt nach und bricht auch gerne mal mit der Vorgabe. Ennis macht alles mit einem bösen Humor und nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Comics strotzen vor expliziter Gewalt und Sex, wobei es nicht pornographisch wird. Dennoch sollte der Hinweis auf der Rückseite des Hardcovers ernstgenommen werden, der die Bände nur für über 18jährige empfiehlt. Es sind definitiv Comics für Erwachsene. Und vielleicht sollte man auch dann noch vorsichtig sein, wenn man empfindlich auf sexuelle Inhalte reagiert, denn es handelt sich nicht um netten Sex, sondern in vielen Fällen um ausserordentlich toxische Verhältnisse und Missbrauch. Garth Ennis läßt jedenfalls keinen Zweifel daran, dass eigentlich seine komplette Figurenriege komplett aus absoluten Arschlöchern besteht, egal auf welcher Seite sie stehen, aber gerade das macht die Serie so gut und eben realistischer als die ewig guten Helden aus den Marvel und DC Comics. Dort sind selbst die Antihelden immer noch liebenswerter als dieses verkommene Pack bei The Boys. Lediglich Wee Hughie hat noch Gewissensbisse, obwohl er zunächst auf Rache aus ist und pendelt zwischen Verzweiflung und Neugier. Im Grunde genommen ist er aber die gute Seele der Geschichte. Alle anderen sind Psychos. Ehrlich.

Das Lustige an Hughie ist, dass er mich sofort an Simon Pegg (Shaun of the Dead, Hott Fuzz, etc.) erinnert hat. Das hat den simplen Grund, dass Darick Robertson ihn als Vorbild für die Figur genommen hat, als er die Designs entwickelt hat. Er hatte für ihn eben genau die richtige Ausstrahlung, die Hughie haben sollte. Simon Pegg selbst, hat das auch unterstützt. In der Fernsehserie wird er ebenfalls auftauchen, allerdings nicht als Hughie selbst, sondern als dessen Vater.

Bei den schurkischen Superhelden wird man auch den ein oder anderen klassischen Helden erkennen, den man natürlich nicht einfach übernehmen konnte. Da gibt es einige Speedster, fliegende Muskelpakete, Amazonen und natürlich auch den reichen Lebemann, der sich ordentlich Technik leisten kann, um sich unter seinem Anwesen einen fetten Heldenunterschlupf leisten zu können. Die ein oder andere Ähnlichkeit dürfte also durchaus gewollt sein.

Fazit

The Boys ist echt, hart, verrückt und real. Diese andere Sicht auf Superhelden ist erfrischend anders, denn sie sind nicht die strahlenden Hochglanzfiguren, sondern es bröckelt ganz gewaltig hinter der Fassade. Auf der anderen Seite Billy Butchers gnadenloser Trupp aus Verrückten, die die Supies ordentlich aufmischen. Ich habe den ersten Band direkt durchgesuchtet und konnte ihn kaum noch aus der Hand legen. Die 340 Seiten lassen sich wirklich gut und flüssig weglesen und machen richtig Spaß, wenn man den derben Humor verträgt, denn der ist so schwarz wie die Trenchcoats der Boys. Was ich mir für die weiteren Stories allerdings wünsche, ist etwas mehr Hintergrund für die vier ursprünglichen Figuren, denn der kommt etwas kurz. Gerade der Frenchman und das Weibchen sind einfach da und gerade die beiden sind wirklich durchgeknallt, so dass sich schon die Frage nach dem Warum stellt. Jedenfalls habe ich mir nach dem ersten Band der Gnadenlos Edition direkt Band 2 und 3 zugelegt und lese schon fleissig weiter. Dafür gebe ich gerne etwas mehr aus und deshalb gibt es von mir auch eine absolute Kaufempfehlung.

Panini Comics
Band 1 bei Amazon
Band 2 bei Amazon
Band 3 bei Amazon
Band 4 bei Amazon

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