Comicvorstellung: I hate Fairyland 01 – Verrückt bis an ihr seliges Ende von Popcom

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© POPCOM / Young

Für die, die es nicht wissen, wie ich, bevor ich es herausgefunden habe: Popcom ist eine Untersparte von Tokyopop, in der westliche Comics verlegt werden, unter anderem auch Skottie Youngs I hate Fairyland.

Die kleine Gertrude wird durch ein Dimensionsportal aus ihrem Kinderzimmer direkt ins zuckersüße Fairyland transportiert und wird dort vor die Aufgabe gestellt, einige Aufgaben zu lösen, um einen Schlüssel zu finden, mit dem sie wieder nach Hause kann. Dazu bekommt sie von der Königin Cloudia einen Begleiter zugeteilt, die Fliege Larry und eine Karte der bekannten Gebiete. Was eine Aufgabe für einen Tag sein sollte, läuft nicht wie geplant und Gert ist auf der nächsten Seite bereits 27 Jahre im bunten Horrorland gefangen, in dem alle überfröhlich sind und alles aus Süßigkeiten besteht. Der Knackpunkt: Sie altert äußerlich nicht, ist aber inzwischen eine verbitterte Cholerikerin geworden, die verzweifelt nach Hause will und keinen Gewaltakt scheut, um ihr Ziel zu erreichen. Das geht natürlich auch den Bewohnern von Fairyland gegen den Strich und sie wollen sie lieber früher als später loswerden.

Skottie Young, der den aktuellen Deadpool Neustart-Run für Marvel schreibt und für diverse Variant Cover verantwortlich ist, hat bei I hate Fairyland sowohl das Szenario entwickelt, als auch die Kreativarbeit mit seinem ganz eigenen niedlich-lustigen Stil übernommen. Und das, was auf den ersten kurzen Blick nach einem bunten Kinderbuch aussieht, offenbart auf den zweiten schon, was wirklich vor sich geht. Die kleine Gert metzelt sich nämlich auf äußerst brutale Art und Weise durch das kleine Wunderland mit seinen fantastischen Bewohnern. Egal, ob Zombie-Faune, Riesen oder anderes lustiges Getier. Selbst der Mond und die Sterne sind vor der junggebliebenen Furie nicht sicher. Völlig von ihrem Versagen frustriert, lässt sie ihre Wut an ihrer Umgebung aus. Gertrude ist dabei der absolute Widerspruch in sich. Mit ihrem kindlichen Äußeren, den grünen Locken und dem rosa Kleidchen und dem bitterbösen, hasserfüllten Inneren. Ihr zugeteilter Begleiter Larry ist dabei auf ähnliche Art gefangen wie sie, denn er kann Gert erst dann verlassen, wenn sie durch die Tür nach Hause gegangen ist. Er hat sich zum Zyniker entwickelt, der aber immer noch versucht, das Kind auf den richtigen Weg zu bringen. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass sich die beiden definitiv verdient haben.

Bei aller Brutalität kommt der Humor aber nicht zu kurz. Statt wüster, expliziter Beschimpfungen verwendet die kleine Gertrude eine Kinder-gerechtere Sprache und o heißt es Schleck mich hier und Fluff dich da, was natürlich viel besser zum Szenario passt. Dadurch sind die Comics jedoch kein Stück besser für Kinder geeignet. Aber auch wenn sie sich ausschließlich an Erwachsene richten, machen sie eine Menge Spaß.

Fazit

Ja schleck mich doch, ihr verlakritzten Anislutscher! Was für ein geiler Comic. Alles ist so bunt und niedlich, doch trotzdem endet alles als blutiger Slasher erster Güte, auch wenn das Blut nicht nur rot fließt, sondern in allen möglichen Farben. Skottie Youngs Fantasie scheint dabei keine Grenzen zu kennen, auch wenn es einen Schuss Alice im Wunderland und Zauberer von Oz mit einfließen lässt. Die Wesen, die Fairyland bevölkern sind abwechslungsreich und eines verrückter als das andere. Gert hält einem dabei ein wenig den Spiegel vor, denn als Erwachsener kann man sehr gut nachvollziehen, warum ihr das kunterbunte und zuckrige Einerlei so auf die Nerven geht. Das alles macht eine Menge Spaß beim Lesen und ich habe ein ums andere Mal laut gelacht, weil die Geschichte wirklich zu abstrus ist. Der Umfang von 128 Seiten für gerade mal 14 Euro beeindruckt ebenso, da vergleichbare Hardcover in anderen Verlagen deutlich teurer sind. Wer also auf niedliche Zeichnungen abfährt, aber auch mal richtige Action lesen will, sollte unbedingt in I hate Fairyland reinschauen. Top!

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