Rocketman – Spoilerfreie Filmkritik

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Gestern ging es in die filmische Biographie von Sir Elton John, von der ich vorher nur Gutes gehört hatte. Er sollte sogar besser sein als Bohemian Rhapsody, der Film über Freddy Mercury und Queen, also war ich wirklich gespannt und hatte dementsprechend hohe Erwartungen, da die Queen Bio wirklich grandios war.

Die Story

Der Film behandelt einen Teilzeitraum von Elton Johns Karriere, von der Kindheit und der Entdeckung seines Talentes bis hin zu seinem Comeback in den 80er Jahren nachdem er den Drogen abgeschworen hat. Auf der einen Seite hatte der junge Reginald Dwight, wie er bis zu seiner Namensänderung bürgerlich hieß, es nicht leicht. Eine lieblose zerrüttete Familie mit einem Vater, der ihm keine Beachtung schenkt und einer Mutter, die ihn ebenfalls nicht sonderlich zugetan ist. Lediglich die Großmutter unterstützt den Jungen und fördert sein Talent für Musik. Er erhält ein Stipendium an der Royal Academy of Music und lernt dort das Klavier zu spielen. Später wird er Begleitmusiker für Bands auf Tour und lernt Bernie Taupin kennen, der sein Freund und Songschreiber wird und mit dem talentierten Musiker viele Hits kreiert. Die Karriere nimmt ihren Lauf und die schillernde Figur Elton John wird geboren.

Taron Egerton liefert als Elton John grandios ab. Man kennt ihn zwar in erster Linie aus den beiden Kingsman Filmen, doch er hat bereits Biografie Erfahrung und hat Eddie „The Eagle“ Edwards bereits im gleichnamigen Film verkörpert und das auf äußerst liebenswürdige Weise. Beeindruckend fand ich, dass er alle Songs im Film selbst gesungen hat und nicht wie in Bohemian Rhapsody auf eine Mischung aus Schauspieler, Soundalikes und Originalaufnahmen zurückgegriffen wurde. Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, kann sich den Original Soundtrack auf Spotify anhören. aber auch ansonsten nimmt man ihm die schillernde Figur ab. Auch das Ringen mit Alkohol, Drogen und der Geheimhaltung seiner Homosexualität wurden glaubwürdig dargestellt. Jamie Bell, Richard Madden und Bryce Dallas Howard passen allerdings auch hervorragend in ihre Rollen, auch wenn man die beiden letztgenannten eher nicht so fies kennt, wie sie sich im Film geben. Und Sex zwischen Robb Stark und Eggsy mag einem auch zunächst ungewohnt vorkommen. Dennoch passt die Chemie zwischen den Schauspielern und alte Rollen sind schnell vergessen.

Im Abspann des Films werden Filmszenen und Kostüme mit Originalfotos von Elton John gezeigt. Dort sieht man, dass die Kostümbildner zwar tolle Arbeit bei der farbenfrohen und knalligen Garderobe geleistet haben, aber nicht immer zu hundert Prozent dran waren. Das fiel zwar nur im direkten Vergleich auf, aber bei so guten Vorlagen hätte man das noch wesentlich authentischer hinbekommen können. Aber das ist meckern auf hohem Niveau.

Ich glaube allerdings auch, dass der Film ein chronologisches Problem hatte, wobei ich nicht tief genug in der Thematik stecke, um das wirklich belegen zu können, doch es tauchten an manchen Stellen Melodien auf, die zu der jeweiligen Zeit deplatziert waren und eigentlich erst viel später entstanden sind. Gerade aber der Abschluss des Films, der das Comeback thematisiert, greift auf einen Song zurück, der eigentlich Jahre vor dem eigentlichen Ende des Filmes entstanden ist und bekannt wurde. Das hat mich von der musikalischen Seite her aber weniger gestört. Mein größter Kritikpunkt am Film ist, dass es sich um ein halbes Musical handelt und das liegt mir nicht. Es gibt einige Traumsequenzen und „Alltagsszenen“ in denen gesungen wird und stellenweise sogar getanzt und wild fantasiert. Das empfand ich für eine Filmbiografie als unpassend und hätte ich mir anders gewünscht. Bohemian Rhapsody hat das in meinen Augen sehr viel besser gemacht. Oft genug wurde die Musik beim Komponieren, Studioaufnahmen oder Konzerten eingebunden oder schlicht als Hintergrundmusik und das hätte auch vollkommen gereicht. Die Musicaleinlagen waren mir schlichtweg too much, auch wenn es bei genauerer Überlegung durchaus zur schillernden Figur des Elton John und dessen Lebensstil im gezeigten Zeitraum passen, aber für mich fühlte es sich nicht richtig an. Der Abstand zum Film hat mich aber inzwischen milder gestimmt als es beim Schauen der Fall war.

Fazit

Ein guter Film, wenn mich auch die Musicalparts wirklich gestört haben. Ich bin einfach kein Freund davon und kriege schon Anfälle, wenn in Disneyfilmen gesungen wird. Hier fand ich es einfach deplatziert. Wer aber Musicals grundsätzlich mag, wird sicher mehr Freude an dem Film haben. Die Queen Bio hat in diesem Punkt aber deutlich die Nase vorn, auch wenn es hier Pluspunkte dafür gibt, dass Taron Egerton alles selbst gesungen hat. Hut ab. Wenn man das aber nun außen vor lässt, dann hat man einen mitreißenden Film mit vielen rührseligen Momenten und einem ordentlichen Schuss Melancholie. Gerade für Kinder der 70er und 80er werden einige alte Erinnerungen wieder aufkommen, da Elton John diese Zeit musikalisch mit geprägt hat. Und Songs von ihm gibt es reichlich, von Your Song über den titelgebenden Rocketman bis hin zu I’m Still Standing.

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