Comicvorstellung: Haarmann vom Carlsen Verlag

0
© Carlsen Verlag / Meter / Kreitz

In letzter Zeit bin ich wieder ein wenig auf dem Biografie-Trip und habe mir die ein oder andere Grafiknovelle dazu geholt. Nachdem ich Joe Shuster, Vater der Superhelden ja bereits vorgestellt hatte, habe ich nun einen weiteren Comic aus dem Carlsen Verlag gelesen, der meine aktuelle Vorliebe bedient.

Haarmann erzählt die Geschichte von Fritz Haarmann, einem bekannten deutschen Serienmörder, der in den 1920er Jahren in Hannover fast 30 junge Männer zu sich gelockt und ermordet hat. In die Karten gespielt hat ihm dabei, dass er, obwohl er polizeibekannt war, offiziell als Kriminal tätig war, einer Art Hilfssheriff, der die Polizei bei ihrer Arbeit unterstützt hat und ein Auge auf die Gegend geworfen hat. Ausgestattet mit einem Ausweis der Polizei, war es so ein Leichtes für ihn, am Bahnhof junge Männer aufzugreifen und unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft zu sich nach Hause zu locken, wo er sich an ihnen vergangen und sie ermordet hat. Seine direkten Nachbarn haben sich zwar über nächtliches Sägen und Hämmern beschwert, doch insgesamt, war er ein durchaus angesehener Mann, da er immer mit Fleisch und gebrauchter Kleidung dienen konnte. Verdacht schöpfte jedoch lange Zeit niemand.

Peer Meter, der bereits andere Serienmörder in den Grafiknovellen „Gift“ und „Vasmers Bruder“ behandelt hat, zeigt ein interessantes Bild vom Leben in Hannover der 1920er Jahre und Fritz Haarmanns Leben und Treiben. Zwar erhebt er keinen Anspruch auf absolute Korrektheit der Geschehnisse, dennoch bekommt der Leser einen guten Einblick in das damalige Geschehen, unterstrichen von der Sprache der Protagonisten, die in ordentlicher Mundart unterwegs sind. Besonders der Serienkiller Haarmann, sowie ein paar seiner Opfer stechen hier hervor, was die Figuren sehr lebendig erscheinen lässt. Der Leser ist zwar von Anfang an im Bilde, dass Haarmann junge Männer umbringt, doch man fragt sich in verschiedenen Situationen innerhalb der Grafiknovelle, warum die Leute nichts bemerkt haben oder bemerken wollten. Die Ursachen sind sicher mit darin begründet, dass im vom Krieg gebeutelte Deutschland der Weimarer Republik jeder nur auf sich selbst geachtet hat, weil es um das nackte Überleben ging.

Unterstützt wird die Stimmung von Isabel Kreitz‚ Zeichnungen, die komplett in schwarzweißem Bleistift gehalten sind. Das Hannover der 1920er Jahre soll wohl gut getroffen sein, allerdings kann ich das leider nicht wirklich gut beurteilen, da ich dort lediglich die Messe zu Cebit Zeiten kenne. Am Ende des Bandes sind jedoch Fotos aus der Zeit zu sehen und auch Bilder von Haarmann selbst und er ist wirklich gut getroffen. Was Gewaltdarstellung angeht, ist der Comic auf seinen 176 Seiten eher zurückhalten. Es gibt kaum explizites zu sehen, was der Geschichte aber keinen Abbruch tut. Allerdings würde ich eine Verfilmung eher im Bereich Tatort vermuten, als in einem amerikanischen Film über den Serienkiller.

Fazit

Wenn man sich erst mal an Haarmans Sprache gewöhnt hat, lässt sich die Graphic Novel aus dem Carlsen Verlag an einem Stück durchlesen. Ein gewisser Ekelfaktor ist gegeben, entsteht aber eher im Kopf, als dass er auf den Bildern der Geschichte beruht. Die Zeichnungen von Isabel Kreitz sorgen für die passende Stimmung und haben mir das Gefühl gegeben, einen alten Fernsehkrimi zu verfolgen. Haarmann ist schön erzählt und gibt ein gutes Bild der damaligen Zeit ab. Ob Polizeiarbeit, die Stellung von Homosexuellen oder Beziehungen zwischen Nachbarn, Peer Meter geht auf alles ein und liefert damit ein sehr rundes Gesamtwerk ab. Wer Biografien und Serienmörder interessant findet, wird hier fündig.

Carlsen Verlag mit Leseprobe
Grafiknovelle bei Amazon

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein