Comicvorstellung: Hard Boiled von Cross Cult

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© Cross Cult / Miller / Darrow – Neu

Frank Miller hat nicht nur Batman oder Sin City gemacht, sondern auch noch einiges anderes geschrieben, unter anderem „Hard Boiled“, einem Comic, der bereits Anfang der 90er bei Dark Horse Comics erschienen ist und vor Kurzem ein zweites Mal von Cross Cult (hier zuletzt im Dezember 2008 erschienen) neu aufgelegt wurde. Das Besondere an dieser Neuauflage ist, dass dieses Mal die Farben des von Frank Miller geschrieben und Geoff Darrow gezeichneten Comics komplett von Dave Stewart überarbeitet wurden. Da ich 1993 bereits eine amerikanische Originalausgabe von Dark Horse erstanden habe, konnte ich diese nun einmal mit der Ende letzten Jahres erschienenen Überarbeitung im Hardcover vergleichen, die ich mir natürlich auch direkt kaufen musste.

© Cross Cult / Miller / Darrow – Original

An der Story hat sich natürlich insgesamt nichts geändert. Roboter Nixon weiß nicht, dass er ein Roboter ist und bringt für einen Großkonzern Leute um. Viele Leute. Und viele davon aufgrund einiger wiederkehrender Fehlfunktionen, die ihm selbst aber nicht bewusst sind, da er glaubt ein Mensch mit Familie zu sein und für die Steuerfahndung zu arbeiten. Bei der Verfolgung von angeblichen Steuerflüchtlingen merkt er nicht, dass er sprichwörtlich über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen, was daran liegt, dass seine Erinnerungen immer wieder von seinem Arbeitgeber gelöscht werden.

Und viel mehr Story gibt es an sich auch nicht. Der Comic liest sich eher wie eine Kurzgeschichte mit offenem Anfang und Ende und nur wenig Hintergrundinformationen zu den Figuren und dem gesamten Szenario. Nixon wird als Hoffnung der Roboter betrachtet, ist aber selbst so verbissen in dem Gedanken ein Mensch zu sein, dass er nichts um sich herum versteht. Er befindet sich in einer wiederkehrenden Schleife von Fehlfunktion zu Fehlfunktion, als Werkzeug des fetten Konzernchefs, dem es eigentlich an den Kragen gehen soll. Und obwohl er sich nicht um Kollateralschäden kümmert, werden diese selbst von seinem Umfeld einfach hingenommen. Die beobachtenden Passanten nehmen das brutale Geschehen erstaunlich regungslos hin und scheinen absolut abgestumpft zu sein.

© Cross Cult / Miller / Darrow – Original

Das was diese von Frank Miller erdachte, durch die Kurzgeschichte „The electric Ant“ von Philip K. Dick inspirierte Gewaltorgie so besonders macht, sind die Zeichnungen von Geoff Darrow, der jedem Panel so wahnsinnig viele und verrückte Details verpasst hat, dass man glaubt ein Wimmelbildbuch vor sich zu haben. Jedes einzelne Bild hat unglaublich viel zu entdecken und man findet immer wieder etwas Neues, nur Waldo konnte ich bisher leider nicht finden. Dafür Snickers-Ohrringe, an Arme und Beine geklettete Meerschweinchen und Kettensägenmassaker im Pornoclub. Viel Spaß beim Suchen! Die Story wird dabei fast nebensächlich und entsprechend gibt es nicht so wahnsinnig viel Text wie in anderen Comics von Frank Miller. Gerade ein „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ ist textlich schwere Kost und das ist in diesem One Shot auf 128 Seiten so gar nicht der Fall. Hier wird das Auge eben durch die detailreichen Bilder festgehalten.

© Cross Cult / Miller / Darrow – Neu

Die neue Kolorierung durch Dave Stewart, der unter anderem auch an Black Hammer und Hellboy mitgearbeitet hat und den Eisner Award satte 9 Mal gewonnen hat, lässt die Grafiknovelle deutlich lebendiger und realistischer wirken als noch die alten knalligen, flächigen Farben des Originals, in dem ganze Panels mit einer Farbe versehen waren. Weitestgehend also eine deutliche Verbesserung, wenn ich auch zumindest an einer Stelle der Geschichte die ursprünglichen Farben vorgezogen hätte. Trotzdem ein Fortschritt gegenüber der ursprünglichen Version.

Fazit

Hard Boiled ist einfach und direkt in die Fresse, mit einer Portion Gesellschaftskritik. Gleichgültige Menschen, die der überbordenden Gewalt emotionslos gegenüberstehen, gefangen in ihrer Markenwelt, gelenkt von schillernden Reklametafeln. Alles in brutalen Bildern verpackt, angereichert mit unglaublich vielen Details. Gerade das Artwork von Geoff Darrow macht das Ganze so richtig sehenswert, auch wenn die Story von einer stumpfen Gewaltszene zur nächsten hetzt. Visuell allerdings ein echtes Schmankerl. Wer also etwas Brutalität nicht abgeneigt ist, sollte hier mal hereinschauen, um sich den guten Frank Miller Stuff reinzuziehen.

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