Comicvorstellung: Die lebende Tote vom Splitter Verlag

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© Splitter Verlag / Vatine / Varanda

Horror geht immer und One Shots sind auch eine prima Sache, wenn man mal von den endlosen Serien der großen Verlage wegkommen möchte. Und da kam mir diese Graphic Novel vom Splitter Verlag genau recht, denn sie bietet beides.

Die Erde ist unbewohnbar geworden und die Menschen haben sie verlassen und leben nun auf dem Mars. Nur einige Plünderer – oder nennen wir sie Archäologen – zieht es immer wieder zurück dorthin, um verbotene Materialien wie alte wissenschaftliche Bücher oder Labormaterial zu suchen und zu bergen. Bei einer solchen Expedition kommt Lise, die junge Tochter der abgeschieden auf der Erde lebenden Auftraggeberin Martha, ums Leben. Diese „engagiert“ nun den auf dem Mars in Ungnade gefallenen Biologen Joachim, um ihre Tochter mittels alter und verbotener wissenschaftlicher Methoden von den Toten wiederauferstehen zu lassen.

© Splitter Verlag / Vatine / Varanda

Viel mehr lässt sich zum Inhalt der Geschichte leider nicht sagen, wenn man nicht spoilern möchte, da der Band gerade einmal 72 Seiten umfasst. Die von Olivier Vatine erdachte Geschichte erinnert aber an ganz klassische Horrorgeschichten, wie sie H.P. Lovecraft, Edgar Allan Poe oder  Mary Shelley verfasst haben, in ein dystopischen, postapokalyptischen Science Fiction Gewand gekleidet. Dabei werden aber auch ganz klassische Elemente und Figuren aufgenommen, wie die mysteriöse Auftraggeberin, die natürlich in einem alten Schloss lebt, ein Golem-artiger Cyborg und natürlich weitere gruselige Kreaturen.

Ganz hervorragend wird die düstere Tonart durch die Zeichnungen von Alberto Varanda unterstrichen, zu denen Vatine selbst auch die Kolorierung übernommen hat. Während der Mars technisch clean und hell dargestellt wird, versinkt die Erdenszenerie in einer dunklen, von harter Schraffur bestimmten Atmosphäre. Durch die zurückhaltend eingesetzten Farben, die sich überwiegend auf eine Kontrastfarbe zum Schwarz beschränken, die dort pro Panel eingesetzt wird, fühlt man sich direkt in die Zeiten alter Schwarzweiß Filme zurückversetzt, was den klassischen Ansatz der Geschichte noch einmal extrem verstärkt.

Fazit

© Splitter Verlag / Vatine / Varanda

Diese Graphic Novel ist etwas für alle, die alte Horrorromane mögen, aber auch Comics nicht abgeneigt sind. Die beiden französischen Urheber bewegen sich hier im Umfeld großer Autoren des 19. Jahrhunderts und lehnen sich an der ein oder anderen Stelle an deren Geschichten an, fügen aber noch das Element der Science Fiction und einer zerstörten Erde hinzu und verlegen ihre Geschichte damit in die ferne Zukunft. Der einzig negative Punkt, der mir hier einfallen möchte, ist, dass es sich nur um einen One Shot handelt, der leider viel zu schnell durchgelesen ist. Das relativ offene Ende lässt vielleicht auf mehr hoffen. Zumindest würde ich von diesem Duo gerne weitere Geschichten ähnlicher Erzählart sehen. Die 18 Euro für 72 Seiten sind in diesem Fall aber gut angelegt. Wer es schicker haben möchte, kann auch auf die Diamant Edition für 69 Euro zurückgreifen.

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