Comicvorstellung: Black Hammer 1 – Vergessene Helden vom Splitter Verlag

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© Splitter Verlag / Lemire / Ormston / Stewart

Ich habe viel zu lange gebraucht, um endlich mit Black Hammer von Jeff Lemire anzufangen und ärgere mich ein wenig, nicht eher damit angefangen zu haben. Aber es hat auch Vorteile, denn so kann ich jetzt schon viel mehr davon einfach durchlesen.

Abraham Slam und seine Truppe von Superhelden sind nach einem großen Kampf in ihrer Heimatstadt Spiral City auf einer Farm nahe einer Kleinstadt gestrandet. Niemand weiß, wie sie dort hingekommen sind und wo die Stadt überhaupt ist. Sie wissen nur, dass sie die Farm und die Stadt nicht verlassen können. Während Abraham mit der Situation nach inzwischen 10 Jahren recht zufrieden zu sein scheint, geht es den anderen eher nicht so. Besonders Gail, die im Körper ihres Super-Ichs gefangen ist, im Körper einer Viertklässlerin. Die Helden leben als vorgebliche Familie auf der Farm und es wird immer schwieriger, den Schein gegenüber den anderen Bewohnern der Kleinstadt zu wahren.

© Splitter Verlag / Lemire / Ormston / Stewart

Jeff Lemire zeigt Superhelden von einer anderen Seite, wenn ihre Tarnidentität zur Normalität wird und sie ihre Kräfte nicht einsetzen dürfen. Dabei bedient er sich bei bekannten Superhelden und schafft seine eigenen Versionen davon. Abraham Slam ist der typische Captain America Klon. Ein altgedienter Held, dem das Leben auf der Farm durchaus gefällt, da er sich mit ihrer Situation abgefunden hat. Golden Gail entspricht Shazam, verwandelt sich jedoch in ihrer Superform immer in das Kind, dass sie damals war, als sie zu Golden Gail wurde. Sie hat sicher das schwerste Los gezogen, denn sie kann sich nicht mehr in ihr 55-jähriges Ich zurückverwandeln und wird dementsprechend von allen Außenstehenden als Kind behandelt, dass immer wieder in Schwierigkeiten bekommt, da sie Zigaretten und Alkohol durchaus zugetan ist. Barbalien, oder Mark Markzz, der Warlord vom Mars, ist eine rote Version von Jon Jonzz und kann sich wie dieser auch in einen Menschen verwandeln, hat jedoch ein spezielles Problem. Daneben gibt es noch eine Hexe und einen klassischen Raumfahrer mit seinem sprechenden Roboter. Weitere Charaktere in Anlehnung an bekannte Superhelden kommen später noch hinzu. Das ist der Punkt, der Black Hammer so zugänglich macht. Man scheint die Protagonisten direkt zu kennen und fühlt sich dadurch quasi direkt im Comic zu Hause. Zwar bekommen alle durch Rückblenden noch eine kurze Originstory, aber diese verdeutlicht nur die Parallelen zu den bekannten Helden aus anderen Universen. Trotzdem gibt es natürlich auch Unterschiede und vor allem recht tragische Aspekte der Helden, die sie von ihren bekannteren Pendants dann doch unterscheiden, von denen wir häufig nur die Hochglanzseite zu sehen bekommen, wenn sie ihre Heldentaten vollbringen. Lemire beleuchtet sie aber eben von einer anderen Seite.

© Splitter Verlag / Lemire / Ormston / Stewart

Die Zeichnungen von Dean Ormston geben der Geschichte noch einen besonderen Touch. Keine klaren und cleanen Linien, sondern feine Linien, die manches Mal skizzenhaft wirken, aber dem Ganzen eine passende Stimmung verleihen. Man fühlt sich auf der einen Seite etwas in die Comics der alten Zeit zurückversetzt, als die Zeichner noch einen einfacheren und weniger durchgestylten Stil hatten. Das alles passt jedoch sehr gut zu diesen klassischen Heldenfiguren, die alle ihre Anfänge in den 1940er und 50er Jahren hatten. Dave Stewarts Farben sind dabei wie üblich on Point. Das kann man eigentlich nicht anders sagen. Ungewohnt war für mich zunächst das Format des Buches, da ich vom Splitter Verlag bisher eher große, dünne Hardcoveralben gewohnt war, während Black Hammer nun im kleineren Buchformat daherkommt, wie man es eher von Verlagen wie Cross Cult oder Panini Comics kennt. Allerdings befinden sich inzwischen einige Splitter Bände im gleichen Format in meiner Sammlung. Mit 184 Seiten für 19,80 Euro ist man auch sehr gut bedient.

Fazit

Ich bin mir nicht so sicher, ob gerade die Anlehnungen an klassische Superhelden Black Hammer so vertraut macht und den Einstieg deshalb so spielend leicht wirken lässt. Ob Leser, die eher weniger mit Captain America, Shazam und anderen vertraut sind, deshalb ebenfalls an denselben Stellen schmunzeln, weiß ich nicht. Mit diesem Hintergrund hat mich die Story allerdings sofort gepackt und mich auch bis zum Ende des Bandes nicht mehr losgelassen. Klar, inzwischen gibt es schon einige Geschichten, die Superhelden mal von einer anderen Seite zeigen, aber dieser Einblick in die Probleme der Protagonisten, die nach einem letzten Kampf plötzlich nutzlos geworden sind, hat mich wirklich gefesselt und ließ mich jedes Mal mit dem dringenden Wunsch zurück, mir den nächsten Band vorzunehmen. Glücklicherweise gibt es inzwischen schon ein paar Bände zu lesen, zuzüglich mehrerer SpinOffs. Es bleibt zu wünschen, dass Jeff Lemire das Black Hammer Universum noch sehr viel weiter ausbaut. Und gegen einen Film hätte ich auch nichts.

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